Angst ist der Knoten der Seele


Die Zeiten sind unruhig. Sensible Gemüter haben es vielleicht schon länger gespürt, dass sich was dreht, dass sich da was zusammenbraut, dass unsere Welt aus den Angeln zu fliegen scheint.

Veränderungen gehören zum Leben dazu. So lange sie sich langsam und allmählich und in kleinen Schritten vollziehen, so lange kommen und gehen wir mit, können geschehen lassen, was nicht aufzuhalten ist, annehmen, akzeptieren, haben wir Zeit uns anzupassen, Stück für Stück neue Orientierungen zu suchen, andere Wege, andere Lösungen zu finden um zum Schluss wieder zur Ruhe und Gelassenheit zurückzukehren. Wenn jedoch zu viel aufeinmal kommt, wenn es zu schnell geht, können wir das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren und daraus entsteht Angst. Und wenn die Angst das Kommando übernimmt, gibt es nur noch Kampf oder Flucht, Schwarz oder Weiß, Gut oder Böse. Das ist aus meiner Sicht keine Charakterfrage, sondern Evolution und Bauchgehirn.

Zum Thema Angst habe ich einen lesenswerten Artikel in der Zeit gefunden, den ich an dieser Stelle gerne zitiere:

„Der Begriff Angst stammt aus dem Indogermanischen, anghu, und ist verwandt mit dem lateinischen angustus, was so viel heißt wie Enge, Bedrängnis, Beengung. Die Sprache ist weise, denn wenn die Angst regiert, wird die Welt eng und immer noch enger. Wenn sie regiert, ist nichts mehr von Freiheit und Weite da. Angst lähmt, bringt das Leben zum Stillstand.“ Quelle: Die Zeit

Der Erfinder der Psychoanalyse, Sigmund Freud, nannte die Angst den „Knotenpunkt der Seele“. Wer sie zu lesen verstehe, schrieb er einmal, könne alles begreifen, was das Seelenleben eines Menschen ausmache. In einer Vorlesung vor Studenten stellte Freud eine Art Formel auf: Es gibt etwas, was Angst auslöst, mehr als alles andere, und das ist die Vermeidung. Wer in seinem Leben zentrale, wichtige Dinge vermeidet, wichtigen Erfahrungen, wichtigen Entscheidungen aus dem Weg geht, zahlt dafür einen Preis. Und dieser Preis heißt Angst. Quelle: Die Zeit

Angst ist in uns angelegt um unser Leben zu schützen. Jeder kennt sie. Die angstauslösenden Situationen mögen von Mensch zu Mensch, von Bevölkerungesschicht zu Bevölkerungsschicht, unterschiedlich sein und auch die Intensität mit welcher sich Angst bemerkbar macht und die Handlungen, die daraus erfolgen. Niemand jedoch kann behaupten mutig zu sein, wenn er seine Ängste, Sorgen und Befürchtungen nicht kennt und sie stattdessen lieber verdrängt. Denn dann nämlich erkennt er sie auch bei anderen nicht, hat nicht wirklich ein mitfühlendes Verständnis. Gut zu sich selber sein, heißt auch, dass man die Gefühle, die allgemein als schlecht gelten, die, die nicht sein dürfen, die, die geächtet sind, in den Arm nehmen kann, denn dann kann man auch mit Güte auf die zugehen, denen es vielleicht noch schlechter geht, die noch mehr Angst haben, die aus Verzweiflung, Wut und Zorn schreien und den Knoten in deren Seele verstehen und vielleicht ein bisschen dazu beitragen, dass er sich löst.

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