Die kleinen Dinge

Egal ob im Internet oder im wahren Leben da draußen – wir können immer mehr, wir schaffen immer mehr, wir sind so cool. Und das müssen wir auch sein, denn wie sonst können wir die Welt mit der ganzen Informationsflut noch aushalten? Und damit unsere Kinder da gut reinpassen, wird ein bestimmtes Menschenbild schon in den Schulen präferiert und geformt. Verdächtig, wenn ein Kind eher still ist und gerne in seiner Fantasiewelt auch mal mit selbst spielen kann.

Menschen von heute sind aber nicht so und haben nicht so zusein. Menschen von heute sind überall dabei, haben Spaß ohne Ende – juchhu – diese Menschen wissen immer was sie wollen – oder sie – haben ein dominantes, selbstbewusstes Auftreten und sagen anderen immer schnell wo der Hammer hängt, haben Geld, vermehren Geld, leben effizient im schmucken Einfamilienhaus, fahren mindestens eine A8 und einen Zweitwagen,  Sommerfrische auf Sylt,  sportlich und auch mit über 50 noch knackig wie andere mit 22 nicht … soll ich weitermachen?

Nein, aber schauen wir mal hinter die Kulissen. Da sitzen die Ärzte und Psychotherapeuten, die die kranken Seelen wieder flicken müssen, von denen, die den Sprung über die hohe Messlatte nicht schaffen. Da sind unsere Behinderten – Kinder und Erwachsene – die nicht das Glück hatten formvollendet und gesund auf die Welt gekommen zu sein, da sitzen unsere Alten, die als Kriegskinder gelernt haben mit wenig auszukommen, Mütter und Väter, die sich abgerackert haben, damit es die Kinder mal besser haben.

Und genau so eine Mutter ist heute um die 75 Jahre alt. Sie ist krank und wird in einem Pflegeheim betreut. Sie redet nicht mehr. Und da ist die stille Sozialarbeiterin, eine Frau, die ganz tief in sich fühlt nicht in das Bild der Zeit zu passen, eine liebe, ruhige, sensible Person, zurückhaltend und am liebsten scheu – wenn man sie lässt. Aber ein Menschenkind, das intuitiv einen Draht zu alten Menschen hat. Sie liest der Frau eine Geschichte vor. Niemand weiß ob die Bettlägerige zuhört. Zum Schluss fragt sie: „Hat Ihnen die Geschichte gefallen?“ Die kranke Frau hebt den Kopf kaum merkbar ein klein wenig an, der Mund lächelt ein bisschen und die Augen nicken Zustimmung.

Ob das überhaupt jemand anderem aufgefallen wäre?

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. Berührende Worte die nachdenklich stimmen. Du hast vollkommen Recht. Es sind die kleinen Dinge des Lebens die das Leben „wertvoll“ machen, nicht der Euro im Geldbeutel (oki der auch, aber nicht vorrangig). Was nutzt einem das viele Geld wenn man unglücklich ist …. Der alte Spruch „Geld allein macht nicht glücklich“ ist gerade in unserer heutigen Zeit wichtig.
    Ich für meinen Teil freue mich zum Beispiel daran morgens aufzuwachen und Licht zu sehen, die Vögel zwitschern zu hören und ein Lachen von einem Passanten aufzufangen (was hier in der Gegend in der ich wohne allzuselten ist .. leider).

    In diesem Sinne: Lächel und die Welt lächelt zurück :-))))

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