Tangle Pattern Chainging – eine Herausforderung mit Folgen

Ich kann mich des Eindrucks, dass so manch einer in meinem Umfeld meine Leidenschaft für die Tanglepatterns nicht teilen kann, nicht erwehren. Wenn ich dann so meine Muster zeige, klingt Begeisterung irgendwie anders. Mir scheint, Tangling spaltet in die, die den Mustern verfallen sind und die, die mir nicht wehtun wollen. Ok – ich gehöre dann eindeutig zu den Tangle-Addicts und bin in guter Gesellschaft. In einer der Tangle-Gruppen, der ich mich angeschlossen habe, gab es eine neue Tanglespielerei – also eine Aufgabe, die man in einem gewissen Zeitraum mit einem Zentangle-Muster lösen sollte.

Und die Aufgabe hieß

Nehme aus den Original-Tangle-Patterns ein Muster deiner Wahl und dann versuche mit nur diesem einen Muster möglichst viele Varianten zu erstellen. Das Muster sollte dabei nicht unbedingt ein Lieblingsmuster sein, sondern eher eines, was man vielleicht nicht so sehr mag, was einem langweilig ist oder eines, was schwer zu zeichnen ist. Ich habe das ernst genommen und mich für Chainging entschieden. Ich hatte es in der Vergangenheit schon mit einem ähnlichen Muster versucht und dabei festgestellt, dass ich Probleme habe die „Hörner“ zu zeichnen. Zur Info sei an dieser Stelle verraten, dass ich eine sehr stark ausgeprägte rechts-links Schwäche habe.

Chaingin ist ein Original-Zentangle, wie man es zeichnet, dazu folgendes Video:

Und es kam wie es kommen musste. Ich kann diese Hörner einfach nicht schön zeichnen, zumindest nicht so, dass sie mir nachher gefallen und auch nicht, wenn ich sie nach der (einer?) vorgeschriebenen Methode malen soll. Mich enttäuschte das Aussehen des Ergebnisses immer wieder. Die „Hörner“ (wie ich sie nenne) werden ungleichmäßig, mal dick, mal dünn, die Löcher dazwischen immer größer und ich kann die Richtung, in die der Zopf gehen soll, nicht kontrollieren. Der Zopf kontrolliert mich und macht was er will. So oft ich auch ein Blatt nach dem anderen verschwendet und geübt habe – es wurde nicht sehr viel besser.

Kann ich nicht

tangle-pattern-chainging-coregibt es nicht. Also habe ich mir angeschaut, ob ich einen anderen Weg finden könnte … und fand ihn auch. Wenn man den Zopf genau betrachtet, kann man sehen, dass der Kern des Musters aus aneinandergesetzten Bögen in der Mitte besteht:

Unchainging-step-a1d wenn man das auflöst, kann man Chainging auch folgendermaßen zeichnen:

Beginne zuerst mit einem Bogen von links oben nach rechts unten. Dann setze des zweiten Bogen, von rechts oben nach links unten, etwas oberhalb vom Ende des ersten Bogens an und wiederhole das Ganze so lange wie du möchstest.

chainging-step-a2 In einem zweiten Schritt suchst du dir visuell die 3 Punkte, die in der Abbildung zu sehen sind, und verbindest sie in einer Linie von unten nach oben.

Das war es schon. Ganz einfach.
Mit dieser Methode kannst du Zöpfe malen ohne Ende.
Du kannst die Ausgangsbögen länglich und schmal machen oder kurz und breit, du kannst schmal beginnen und breiter werden oder umgekehrt. Ebenso lässt sich die Verbindungslinie vielfach variieren. So zum Beispiel kannst du die Rundung nach innen kehren, sie bauchig machen oder sogar eckig.

Und hier sind meine, aus dieser Methode entstandenen, Varianten:

DOWNLOAD

Wenn du möchtest kannst du dir das Stepout auch in einem pdf anschauen.
chainging-variationen-stepout

Mein persönliches Fazit

Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob denn alle Varianten, die ich aus Chainging herausgeholt habe, „schön“ sind. Manche gefallen mir selber, sagen wir, ganz gut – andere, nun ja, sind eben anders. Das Ergebnis der ganzen Aktion erschöpft sich für mich allerdings nicht ausschließlich im Anspruch an die „Schönheit“ der Ergebnisse und den netten Artist-Trading-Cards, auf denen die Tangles gezeichnet wurden. Es ist vielmehr der gesamte Prozess, angefangen von der Aufgabe, sich bewusst etwas auszuwählen, was man in Zentangle inspierierten Bildern möglicherweise gar nicht so oft verwendet, ein Muster, welchem man vielleicht aus dem Weg geht, weil man es hässlich findet, weil es einem nicht so gut aus der Hand läuft, weil man das schwierig findet und / oder man das Gefühl hat, dass da eh‘ nix bei rauskommt.

Vielleicht würden so manche andere an so einer Challenge erst gar nicht mitmachen, weil da Erinnungen an Schule oder Studium hochkommen. An Leistungsdruck, an Abgabetermine, letztendlich an Bewertung der eigenen Leistung durch andere und schlimmer noch, die Übertragung dieser Bewertung auf die eigene Person. Mich hat die ganze Situation an die Stegreif-Entwürfe während meines Architektur-Studiums erinnert. Ein Thema und dann zack, zack – eine Idee, ein Plan und ein Modell in maximal 7 Tagen. Nicht immer angenehm Ideen auf Knopfdruck realisieren zu müssen bzw. sich vom „Muss“ nicht vereinnahmen zu lassen, aber eine gute Übung, denn ist es nicht das Leben auch oft so? Bekommen wir nicht oft genug unerwartet Dinge vor die Nase gesetzt, Aufgaben, Herausforderungen, von denen wir nicht geglaubt hätten, dass das Leben so etwas von uns will und nicht immer kann man ausweichen und nicht immer ist der „Ausweichweg“ auch der, der uns am meisten weiterbringt.

Und so habe ich meine 20 Tangles nicht mal eben aus dem Ärmel geschüttelt. Die Zeichenmethode war eine echt harte Nuss, denn normalerweise würde ich einen Zopf, außerhalb von Zentangle®, niemals so zeichnen, wie im Video dargestellt. Im freihändigen Zeichnen habe ich meine eigenen Methoden und … ein Radiergummi! Aber so ist das Leben nun leider auch nicht. Es gibt keine Backsteps und auch keine Radiergummis, alles ist eine Live-Aufzeichnung.

Und so war für mich die eigentliche Herausforderung, am Muster dranzubleiben, es zu knacken und mich dann frei zu schwimmen.
Und dann lief das und es war toll.

Tangling kann eben doch mehr sein, als das übliche Gekritzel („Doodling“), während man telefoniert.

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